Jetzt im Winter kommt es wieder: Dieses Gefühl, wenn man das erste Mal im Winter aus der Gondel steigt, die Skier oder das Snowboard aus der Halterung zieht, in den Schnee stapft und dann die ersten Schwünge in den Powder zieht. Hach…herrlich, oder? Dieses Gefühl hat mir ein sehr spezieller Ort in Bonn beschert. Sogar ganz ohne Schnee.

Ich übernachte gerne an außergewöhnlichen Orten. Egal ob Baumhaus, Luxushotel oder Campingplatz. Abgesehen davon, dass ich Hotelübernachtungen jeglicher Art genieße, gefallen mir Nächte mit Erlebnisgarantie besonders gut. Bei meinem Check-Out aus dem V-Hotel (das mit dem Baumhaus) fragte ich die Mitarbeiterin, ob es denn in Bonn noch andere außergewöhnliche Hotels gäbe. Sie empfahl mir das Bonner Youth Hostel BaseCamp. Eine riesige Halle voller Wohnwägen, Züge, Busse und anderer spannender Gefährte. Eines davon ist eben eine Gondel. Da ich als passionierter Snowboarder und Wanderer schon immer ein großer Gondel-Fan bin, fiel mir die Wahl für mein Nachtquartier nicht sonderlich schwer. Ich meine, ich hätte auch in einem Zelt auf dem Dach eines Trabis schlafen können 🙂

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Andreas, ein Mitarbeiter des BaseCamps, gab mir erstmal eine ausführliche Führung durch das Camp und ich konnte jede Menge Fotos machen und Fragen stellen. Eine tolle Geste, die ich sehr zu schätzen weiß. Wirklich spannend, was sich da so hinter den Wohnwagentüren verbirgt. Jedes Gefährt hat sein eigenes Thema und wurde liebevoll restauriert. Doch wer denkt, dass hier ausschließlich Schulklassen und pubertierende Jugendgruppen zu Gast sind, der irrt. Ein Großteil der Gäste steigt auf Geschäftsreise hier ab. Und das, obwohl man sich die Toiletten und Waschräume mit den anderen Gästen teilt.

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Mit den Gemeinschaftsräumen fange ich gleich mal an. Die sanitären Anlagen sind absolut auf Funktionalität ausgelegt, aber dennoch stylisch. Die Sauberkeit war ohne Fehl und Tadel. Der Frühstücksbereich ist eine Art Terrasse mit Ausblick auf´s Camp. Den Außenbereich konnte ich nur schwer beurteilen, denn er war nicht wirklich in Betrieb. In den Sommermonaten wird hier aber wohl regelmäßig gegrillt. Im Camp stehen noch zwei Telefonzellen(!) vollgepackt mit Büchern und Gesellschaftsspielen. Tischfußball ist ebenso zwei Mal vorhanden. Es wird einem also erstmal nicht langweilig im Camp.

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Bei der Verpflegung sollte einem bewusst sein, dass das BaseCamp eben kein klassisches Hotel ist. Verhungern muss aber niemand. Frühstück ist immer im Übernachtungspreis inkludiert und wer möchte, kann sich noch Snacks und Getränke an der Rezeption kaufen. Diese ist allerdings nur bis 23:00 Uhr besetzt. Das Frühstücksbuffet ist für ein Hostel sehr reichhaltig: Kaffee (Spezialitäten gegen Aufpreis), Tee, Toast, Semmeln, und Knäckebrot. Käse, Wurst, Gurken, Nutella, Marmeladen, Quark, Cornflakes, Orangensaft sowie Äpfel und verschiedene Joghurts. Sollte reichen.

Nun zum „Zimmer“. Die Gondel stammt aus dem Schweizer Skigebiet Lenzerheide. Ursprünglich hatten bis zu 60 Personen stehend Platz und sie fuhr täglich hinauf auf 2856 Meter. Sie ist rot lakiert und das Interieur wurde entsprechend rustikal angepasst. Die außergewöhnliche Schlafstätte wurde in der Halle direkt neben den Waschräumen platziert, was sich in der Nacht als äußerst praktisch erwies. Das Bett ist groß und komfortabel. Wenn man aus dem Fenster schaut, hat man das Schweizer Bergpanorama vor Augen. Eine schöne Inszenierung. Bis auf den Boden, das Bett und paar kleinere Einrichtungsgegenstände, ist die Gondel noch fast im Ursprungszustand. Selbst die Werbung in der Gondel ist noch original. Das freut das Abenteurerherz. Ein weiteres nettes Gimmick ist eine Champagnerschachtel neben dem Bett, aus der ein kleiner Stoff-Elch hängt. Wenn man an diesem zieht, ertönt eine schöne Gute Nacht-Melodie. Noch ein Bierchen und Lakritze auf der Gondelterrasse und dann ab in die Heia.

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Ich habe sehr gut geschlafen. Als ich einmal kurz in der Nacht wach wurde, war ich doch sehr neugierig, was denn um 4 Uhr nachts in einer Hostel-Halle so los ist. Nichts 🙂 Aber das muss nicht immer so sein. Bei hoher Auslastung gibt es in der Nacht wohl auch „Aufpasser“ die sich um die Einhaltung der Nachtruhe kümmern. Ansonsten ist die Gondel relativ schalldicht. Einzig die Tatsache, dass die Gondel unter der Treppe zum Frühstücksbereich steht, ist nicht ideal. Die Treppe aus Paletten, die hinauf zur Gondeltür führt, kann in der Nacht schnell zur Stolperfalle werden. Gott sei Dank hatte ich keine Adiletten an. Ich stand dann eine Weile vor meiner Gondel und habe mir das beleuchtete BaseCamp angeschaut. Dann bin ich wieder ins Bett und habe davon geträumt, wie ich in der Gondel auf den Berg fahre und morgens auf dem Gipfel aufwache.

Fazit: Das BaseCamp in Bonn ist für mich ein wahnsinnig cooles Übernachtungsabenteuer. Es gibt unglaublich viel zu entdecken und wenn man mal eine Nacht im Youth Hostel verbringt, merkt man wieder, dass man sie auch gut ohne viel Chi Chi verbringen kann. Die Lage ist zwar nicht absolut zentral, aber dennoch nah genug dran am Geschehen. Mehr zum BaseCamp findet Ihr hier.