Eins lässt sich beim neuen Shopping- und Food-Konzept in der Schranne schon beim ersten Betreten sagen: Es hat den Nerv der Münchner getroffen und zeigt wieder einmal, wie sehr wir uns doch nach „Dolce Vita“ sehnen. Schlummert in uns allen vielleicht noch die tiefe Sehnsucht und das Gefühl, zu Beginn der Pfingstferien in den alten Mercedes unserer Eltern zu steigen, um dann über den Brenner zu fliegen und das Land unserer Sehnsüchte wieder zu sehen? Das Land, wo Papa sein bestes Italienisch raus gekramt hat und Mama jeden Tag ein schickes Kleid angezogen hat, wenn’s zum Pizza essen ging. Oder das Meer, weil’s dann doch so viel abenteuerlicher wahr, als der Starnberger See…

Irgendwas fixt den Münchner so sehr an, dass Läden wie der Brenner in der Maximilianstrasse, die Bar Centrale in der Lederer oder eben nun das Eataly so anziehend auf ihn wirkt. Zugegeben, da stelle ich das Eataly nun auf einen ganz schön hohen Sockel, aber ich bin der Meinung, dass sich in der Schrannenhalle erstmals ein Konzept über einen längeren Zeitraum halten könnte. Die Macher vom „Goldenen Kalb“ werden jeden Tag neidisch rüber blicken, nachdem ihr Fischkonzept „Krake“ hier damals kläglich gescheitert ist.

Ich kann nach einem Besuch auf keinen Fall das komplette gastronomische Angebot beurteilen, aber was man auf jeden Fall im Eataly hat, ist Erlebnisgastronomie. Man kann schlendern, kosten, shoppen, kucken und genießen. Ich habe mich mittags spontan an die Theke vorm Pizzaofen gesetzt um die Atmosphäre so gut wie möglich aufzusaugen. Die Pizzen schießen im Sekundentakt in den Holzofen und eine Uhr, die aussieht wie die Schuldenuhr der Bundesrepublik, zeigt an, wie lange der Pizzateig schon geht. Ich entscheide mich für eine Pizza mit Mozzarella und gelben Datteltomaten für 9,00€. Ein wunderbares Stück Teig kommt dann zu mir geflogen und die Datteltomaten bilden mit dem Käse eine wunderbare Symbiose. Dazu ein gutes Peroni für 3,00€. Leider ist dieses Bier nicht mehr in allen guten italienischen Kneipen in München erhältlich (Grüße in die Bar Centrale)! Ich genieße also meine wunderbar süße Pizza und mein herbes Bier dazu. Währenddessen schiesse ich viele Bilder und beobachte Leute. Mir geht es gut hier in Little Italy Monaco.

Ich zahle anschließend brav meine 12,00€, denn für einen Espresso muss man sich an die Illy Bar quer durch die Halle bewegen. Man zahlt, gibt wie bei Starbucks seinen Namen an und erhält dann gegen Vorlage seines Kassenbons seinen (durchaus guten) Kaffee. Ist aber trotzdem Massenabfertigung. Wenig Flair, sondern einfach nur Befriedigung von Bedürfnissen. Kein sehr individueller Abschied aus dem Foodcourt. Für einen Crêpe vom Nutella-Stand bin ich zu träge, zum Shoppen erst recht.

Ich stehe vor der Schranne und sehe, wie sich die Leute an den Scheiben die Nase platt drücken. Voller Sehnsucht nach Italien…

Euer Gastrobenni