Man kann mir ja wirklich nicht vorwerfen, dass ich nicht offen für Neues wäre. Aber als ich hörte, dass die Cortiina Bar umgebaut werden soll, war ich nicht weniger als geschockt. Mit diesem wunderbaren Fleckchen München verbinde ich viele tolle Erinnerungen. Ich saß vermutlich schon an jedem Tisch und habe mir auf jedem Barhocker bei einem guten Gin-Tonic den Hosenboden aufgewetzt. Und nun also ein Facelift. Neuer Name, neues Konzept, neue Leute. Ich war direkt nervös.

Der erste Blick hinter die Abdeckplane auf das neue Interieur ist überraschend angenehm. Veränderung ja, aber immer noch vertraut. Der Raum wirkt luftiger, heller, aufgeräumter. Die Wände grau, die Sofas grün. Eindeutige Weinzierl-Handschrift. Der Bartresen ist jetzt noch kleiner, dafür wurde dem Service eine Art „Backoffice“ spendiert. Die wohl gravierendste Veränderung ist die neue Eingangstür zur Ledererstraße. Man muss also nicht mehr den Weg durch die Hotellobby nehmen, sondern betritt über eine Stufe direkt den Gastraum. Mal schauen, wie vielen Weinfreunden diese Stufe zum Verhängnis wird 🙂

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Beim gestrigen Presse-Preopening waren alle Gläser auf Hochglanz poliert und das neue Konzept wurde bei Champagner, Weissburgunder und Merlot unter die Leute gebracht. Die beiden Sommeliers Stefan Grabler und Markus Hirschler parlieren im feinsten Österreichisch über die ihre neue Aufgabe und zukünftige Highlights: Beim Vertical Tasting kann man drei verschiedene Weine „gegeneinander“ verkosten, beim Bubble Up gibt’s Spritziges zum Flammkuchen und einmal im Monat schaut ein Winzer vorbei. Richtig smart finde ich aber das Big Bottle Battle, welches jeden ersten Freitag im Monat stattfinden wird. Die Gäste der Grapes Weinbar können dann mithilfe eines entsprechenden Hashtags abstimmen, welcher Sommelier die bessere Weinauswahl getroffen hat. Genau mein Ding.

Wein ins Glas und Cheers. Den Weissburgunder lasse ich an diesem Abend nicht mehr los und stelle schnell fest, was das Alleinstellungsmerkmal der Grapes Weinbar werden könnte: Exquisiter (aber bezahlbarer!) Wein, entspannte Atmosphäre und interessante Leute gepaart mit Kull&Weinzierl DNA. Das könnte durchaus funktionieren.

Der nagelneue Flammkuchen-Ofen wird gleich mal auf Betriebstemperatur gebracht. Zwischen dem ganzen Wein kommt auch noch warm geräucherter Label Rouge Lachs und Boeuf Bourguignon mit Kartoffelschaum vorbeigeflogen. Läuft bei mir… Demnächst soll´s hier auch so geiles Zeug wie warmes Foccacia mit Avocado-Hummus oder Rehterrine geben.

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Die Weinkarte könnt Ihr den Bildern entnehmen. Ich freue mich auf jeden Fall, dass es ein Grüner Veltliner vom Loimer auf die Karte geschafft hat. Schon mal kaltstellen, bitte!

Fazit: Die Trauben hängen hoch für die Grapes Weinbar. Aber gerade weil man etwas Neues wagt und sich selbst neu erfindet, könnte wieder ein absoluter Hot Spot entstehen. Die direkte Konkurrenz hat man quasi vor der Haustür, aber die Macher hinter den Kulissen haben seit jeher ein feines Näschen für die Bedürfnisse der ausgehwütigen Münchner. Viel Erfolg und zum Wohl!