Ristorante Martinelli

Restaurantbesuche verlaufen ja beim Betreten des Lokals in der Regel nach einem ähnlichen Schema: „Guten Abend – hier ist Ihr Tisch – darf´s schon mal ein Aperitif sein…?“ Im Ristorante Martinelli nehmen mich die Inhaber Elena und Luca in Empfang. Es ist ein warmer Frühlingsabend und wir unterhalten uns noch im Eingangsbereich über Essen, Hotels und die Münchner Gastronomie. Wir haben uns vorher noch nie getroffen, aber das Eis ist schnell gebrochen. Die Leidenschaft der beiden ist ansteckend. Ich habe noch keinen Gang gegessen und fühle mich schon jetzt sehr willkommen.

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Amtssprache im Team ist italienisch. Aus der Restaurantküche sind immer wieder italienische Wortfetzen und Gelächter zu hören. Es fühlt sich ein bisschen an, als wäre ich in Italien. Ich habe Lust draußen zu sitzen. Als hätte sie es geahnt, begleitet mich Elena zu einem schön gedeckten Tisch auf der Terrasse.

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Die Terrasse ist gut durch eine Hecke von der Straße abgetrennt.  Der Außenbereich ist gut gepflegt und liebevoll dekoriert. Elena kümmert sich um die Gäste und Gianluca eilt in die Küche. Er schaut während des Essens regelmäßig an allen Tischen vorbei und fragt, wie es geschmeckt hat.

Bei der Speisekarte beschränkt man sich auf zwei Seiten. Man hat die Wahl zwischen achtzehn a la carte Gerichten oder einem 5-Gänge-Menü. Für Wagemutige gibt es ein Überraschungsmenü. Ich habe mich für die Sorpresa, sprich die Überraschung entschieden. Was dann folgt, ist italienische Küche auf hohem Niveau und ganz weit weg vom Klischee. Denn im Martinelli gibt es keine Karte mit 15 verschiedenen Pasta- und Pizzasorten. Darauf legen die beiden höchsten Wert. Sie machen sich viele Gedanken über die Herkunft der Speisen und Weine. Während ich diese Zeilen schreibe, sitzen Elena und Luca vermutlich auf einem Weingut in der Toskana und probieren den nächsten Roten für die Weinkarte.

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Beim Wein verlasse ich mich ebenfalls auf Elenas Empfehlung und werde dies im Laufe des Abends auch nicht bereuen. Die Weine passen ausgezeichnet zu den jeweiligen Gängen. Entgegen meiner Erwartung, sind auch nicht nur italienische Tropfen dabei.

Bevor es losgeht, wird Brot mit hausgemachter Kräuterbutter, sowie frisch aufgeschnittener Schinken serviert. Das Amuse Bouche ist eine kleine aber feine Kombination aus Thunfisch und Kalbsfleisch. Vitello Tonnato, nur etwas anders interpretiert. Das lässt sich gleich mal gut an und ich freue mich schon jetzt wie ein Schnitzel auf die kommenden Gänge.

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Bei mehrgängigen Menüs hat es sich bewährt, immer erst das Bild zu zeigen und darunter die entsprechende Erklärung. Lasst mir gerne einen Kommentar da, wie Euch diese Aufteilung des Blogposts gefällt. Also, dann mal rein ins Vergnügen…

Dorade

  1. Gang: Roh marinierte Dorade mit Gurken. Was mir besonders gut an dieser Vorspeise gefallen hat, war die Frische und die Goji Beeren. Die Meisten kennen sie nur in getrockneter Form, aber frisch serviert, sind das kleine Fruchtbömbchen. Dazu gibt es einen, ebenfalls sehr frischen, Pignoletto Weißwein.

Oktopus

  1. Gang: Oktopus mit Tomate und Passionsfrucht. Einer meiner Favoriten im Menü. Nicht zu aufdringlich und schön abgestimmt.

Foie Gras

  1. Gang: Foie-Gras-Brûlée mit Pilzen, Haselnüssen und Kirschen.  Handwerklich und geschmacklich ein hervorragender Gang. Dazu gab es einen Wein, der gut „dagegen halten“ konnte: Monticino Rosso Albana Secca Spätlese.

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  1. Gang: Zusammen mit einem Rosato von Ceraudo wird Kalbsfilet mit Pfifferlingen und gefüllten Ricotta-Spinat-Tagliatelle serviert. Ein sehr guter Gang, aber die anderen Gänge zuvor haben mich geschmacklich mehr überzeugt.

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  1. Gang: Weisse Spargel-Ravioli mit Scampi. Dazu ein wunderbarer Silvaner „Eigenart“ aus dem Jahre 2015 vom Weingut Max Müller I. Bene!

Lammschulter

  1. Gang: Molto bene war dann auch die Lammschulter mit Speckbohnen. Dazu ein ordentlicher Syrah von Fossi und fertig ist ein nahezu perfekter Hauptgang. Kein zu ausgeprägter Lammgeschmack und eine tolle Fleischkonsistenz.

Zitronensorbet

  1. Gang: Zitronen-Delice – ein wunderbarer Sorbet-Abschluss: süß, knusprig, fruchtig und frisch.

Das 6-Gang Überraschungsmenü kostet 77,- €, mit passender Weinbegleitung 115,- €.

Während ich noch in meinen sieben Gängen schwelge, erzählen mir Elena und Luca, dass sie am heutigen Abend ihren 20sten Jahrestag feiern. Ich fühle mich sehr geehrt, an diesem besonderen Tag von ihnen bedient zu werden. Wir kommen wieder ins Gespräch und ich genieße die letzten Tropfen meines Weins. Noch ein Espresso und dann neigt sich der Abend auch langsam dem Ende zu. Es steht zwar eine tolle Spirituosen-Auswahl bereit, doch ich muss passen. Der Abend war lang, intensiv und gut. Und natürlich ist auch der Abschied nicht Schema F, denn man verbleibt mit guten Wünschen und dem Versprechen, sich unbedingt bald wieder sehen zu wollen.

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Fazit: Neulich wurde ich gefragt, wo man in München gut essen und dabei gemütlich auf einer schönen Terrasse sitzen kann. Das Martinelli erfüllt diesen beiden Anforderungen mit Leichtigkeit. Wer einen Mix aus hervorragendem Essen, entspannter Atmosphäre und persönlichem Service sucht, der sollte den Weg nach Bogenhausen auf sich nehmen und dort einen wunderbaren Abend (oder Mittag) mit zwei leidenschaftlichen, aufopferungsvollen und absolut herzlichen Gastgebern verleben.

Ristorante Martinelli

Wilhelm-Dieß-Weg 2

81927 München

Das Restaurant liegt in unmittelbarer Nähe zum Arabella Park und ist mit der Buslinie 154 sehr gut zu erreichen.

2 Kommentare

  1. Toller Artikel! Werd ich verlinken in meinen kommenden Beitrag….

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